Coaching in der Kirche – Rückenwind fürs Personal

Nachricht Hannover, 10. Dezember 2018

Zur Fachtagung der Personalberatungen in der EKD hatte die Arbeitsstelle für Personalberatung und Personalentwicklung am 27./28.11. 2018 nach Hannover eingeladen. Für die Teilnehmenden aus sieben Landeskirchen stand die inhaltliche Arbeit mit zwei Referenten der EKD im Mittelpunkt, jeder Tag mit einem eigenen Themenschwerpunkt.

 

Am ersten Tag berichtete Herr Dr. Gunther Schendel vom Sozialwissenschaftliches Institut der EKD anhand von Evaluationsergebnissen, dass Coaching als Beitrag zur Ressourcenorientierung zunehmend Bedeutung beigemessen wird. Es eröffnet Reflexionsräume und bietet Begleitung bei der Umsetzung von eigenen Lösungen. Beratene nehmen ihre Potentiale und Wirksamkeit im beruflichen Feld deutlicher wahr, ihre Freude am Einsatz steigt, sie setzen neue Schwerpunkte. Zwei Drittel der Befragten berichteten von einer geglückten beruflichen Veränderung. Laut Dr. Schendel ist die Wirkung von Coaching am deutlichsten nachzuweisen in den Bereichen:

Einstellung (Motivation und Rollensicherheit),

Handeln (Durch- und Umsetzung eigener Interessen) und

subjektives Erfolgserleben (Potentialsichtung und –umsetzung).

Coaching in der Kirche versteht die Potentiale als Charismen. Sie sind den Einzelnen anvertraut, um sie im größeren Rahmen zur Verfügung zu stellen bei der Gestaltung von Kirche – heute und morgen. Coaching hat seinen Ort an der Schnittstelle zwischen Person und System, blickt von der Person ins System und arbeitet unabhängig an einer Passung, die Sinn, Gesundheit und Glück ermöglichen soll.

Unzweifelhaft wird die Ressource „Pfarrer/in“ bzw. „Diakon/in“ weniger. Vielleicht ist arbeitgeberseitig das Angebot einer ressourcenorientierten Personalbegleitung durch Beratung ein deutlicher Beitrag zur Attraktivität kirchlicher Berufe?!

Einen zweiten Schwerpunkt der Fachtagung setzte Herr Dr. Horst Gorski, Vizepräsident der EKD. Er nahm u.a. Stellung zu Fragen der Gesundheit des kirchlichen Personals und des Nachwuchses in kirchlichen Berufen.

Gerade die letzten Amtsjahre stellen eine besondere Herausforderung dar. Generativität und „Erbe“ wollen ressourcen- und beziehungsangemessen reflektiert und gestaltet werden, um kraftvoll und lebendig im Amt bleiben zu können. In dem Zusammenhang würdigte Gorski das Instrument der Personalberatungen als Erkenntnis- und Dialograum zur Profilierung: die professionelle Präsenz in der Rolle entwickelt sich nicht ohne die Person. Anschlussfähigkeit und Erkennbarkeit müssen als zwei Pole der beruflichen Identität zusammengehalten werden –„ und dabei muss ich mich selbst auch noch gut finden“, um auf Dauer gesund zu bleiben.

Daran hängt nicht zuletzt die Frage der Nachwuchsgewinnung: welche Attraktivität hat Kirche als Arbeitgeber, wenn ältere Kollegen und Kolleginnen in Belastungssituationen ohne professionelle Unterstützung gesehen werden? Personalberatungen sind ein sichtbarer Ausdruck einer Kultur, die die Selbstverantwortung der Personen stärkt und auf der Seite der Institution auf Grenzen der Gestaltbarkeit von überbordenden Strukturen aufmerksam macht.

Die Diskussion umfasste schließlich auch das Bild des Pfarrberufs als „Kulturhermeneutik“ bis hin zur offenen Frage „Wie kann Kirche nach Kirche sein?“.

Am Ende stand eine Einladung, die Personalberatungen bei der EKD-Synode 2019 in Dresden mit einem Stand sichtbar zu machen.

Die Fachtagung selbst erwies sich durch die Impulse der Referenten sowie die Diskussion mit den Teilnehmenden als ein besonderer Erkenntnis- und Dialograum.

Aus den Berichten zur Situation der bestehenden Personalberatungen wurde deutlich, dass Coaching in der Kirche landeskirchlich sehr unterschiedlich ausgestattet ist. Wertschätzung und Würdigung kann nicht immer in Stellenanteile umgesetzt werden.

Dennoch geht es allen Beteiligten darum, mit Gegen- und Rückenwind kontinuierlich einen qualitätvollen Beitrag zur Personalentwicklung zu leisten, um gemeinsam lebendig Kirche zu